Dienstag, 26. August 2008

Willkommen in meinem Büro


Privatisierung als Chance? Wohl kaum an dieser Universität. Seit der Staat sich nicht mehr um die MakU kümmert, kümmern besonders die „unwichtigen“ Fächer, wie Sprachen, Literatur und bildende Kunst vor sich hin. Letzteres, namentlich das „Institute of Fine Arts“ liegt auf einer idyllischen kleinen Wiese im Campus mit kleinen Rundhütten als „Hörsaal“ wohingegen das „Institute of Computing und Technology“ sich aufgrund reichlich zahlender Studenten einen schicken Neubau leisten kann. Nur wenige Studenten bekommen ein staatliches Stipendium und nutzen verständlicherweise dieses Privileg mit den auf dem Arbeitsmarkt gefragteren Fächern. Kaum einer kann sich leisten, sich – sei es mit eigenem oder staatlichem Geld – den schönen Künsten zu widmen.
Entsprechend weit unten in der Geldverteilungshierarchie rangiert daher auch das der „Faculty of Arts“ zugehörige „Institute of Languages“, welches einheimische Sprachen wie Luganda und Kisuaheli als auch Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch, jeweils mit Spracherwerbs-, Literatur- und Übersetzungsschwerpunkt anbietet.
Es besteht aus zwei Gebäuden mit genau zwei großen Unterrichtsräumen, die Diskussion um die Belegung hat gerade erst begonnen… Mein (geteiltes) Büro befindet sich im „Lower Building“ (rechts), die „Hörsäle“ im „Upper Building“ im Vorlesungsplan mit LB und UB verzeichnet.



(Der Sonnenschirm ganz hinten ist die Cafeteria des Spracheninstituts)

Auf dem heutigen Board Meeting wurde der alte Direktor verabschiedet und der neue eingeführt. Auf dem Tagesordnungsplan stand: Einleitendes Gebet, Bekanntgabe von Mitarbeitern die ausgeschieden sind und Vorstellung neuer Mitarbeiter, Gebet für die neuen Mitarbeiter (Danke!), Dankesreden, Bekanntgabe verstorbener Mitarbeiter und verstorbener Familienangehöriger der Mitarbeiter, Gebet für dieselben, Bekanntgabe des Budgets, Verlesung der Bedarfsliste (Motorrad, Whiteboardmarker, Kreide, Stühle, Papier, Vorhängeschlösser, Toilettenpapier für die Mitarbeitertoiletten…), Fürbitte für die gerechte Verteilung des Budgets, das Vorlesen eines 25-seitigen Annual Reports des und durch den scheidenden Direktor, weitere Dankesreden, Überreichen eines Geschenks an den ehemaligen Direktor, Photos, Dankesrede des neuen Direktors, Dankesrede an den neuen Direktor, Gebet für den neuen Direktor, Dankesrede des ältesten Mitarbeiters an beide Direktoren und schließlich: „I hereby declare the Board Meeting closed…“ durch den neuen Direktor. Puh…
Soviel zur lustigen Seite. Die traurige Seite ist, dass der neu ernannte Direktor zwar jetzt einen prestigereicheren Posten hat, dafür aber noch lange kein höheres Gehalt. Bezahlt werden momentan eh nur die jeweiligen Leiter der Sections. Ebenfalls nur diese erhalten die kostspieligen Kopien des Annual Reports und des Protokolls der Sitzung. Viele der Mitarbeiter haben kein eigenes Büro, müssen zu Hause oder in vorübergehend freien Unterrichtsräumen arbeiten. In den Cafeterien des Campus hängen Schilder, dass hier nur gegessen und getrunken werden darf, nicht aber gelesen oder gearbeitet. Man sieht Studenten, die mit ihren Matratzen unter Bäumen campieren, bis ein Wohnheimplatz frei wird. Mein Büro ist daher echter Luxus, selbst wenn ich es mit meinem Boss und einer Praktikantin teilen muss. Besonderer Luxus ist die hervorragend funktionierende Internetleitung, die nach einigen Anlaufschwierigkeiten heute trotz mehrerer Stromausfälle mit bisher (hier) ungekannter Geschwindigkeit begeisterte.

Zum Abschluss? Ein Gebet, …dass es hier nie brennen möge!

Sonntag, 24. August 2008

Die ganze Welt kann sich unterhalten...

Wundersamerweise funktioniert der Internetanschluss in meinem Büro. Und zwar richtig gut und damit auch skypefähig. Zwar werde ich nur unregelmäßig und eher vormittags hier sein und dann auch nicht immer erreichbar... Aber aktiviert euer Skype! seid online soviel wie möglich!dann kann man sich bald hören (evt. auch sehen) und das ohne 3 sekündige Verzögerung! Habs schon getestet - danke Sophie - hoffe bald von Euch allen zu hören. Auch bitte ich um die Zusendung der jeweiligen Skype Namen, da ich durch jahrelange Kaumbenutzung nur wenige auf meiner Liste hab!

Freitag, 22. August 2008

Die meistgestellte Frage...

...war bisher die nach dem, was Leib und Seele zusammenhält.


Im Uhrzeigersinn: Matoke (Kochbananen), irgendein undefinierbares Grünzeug (schmeckt wie Wirsing), das allgegenwärtige Chicken, Bohnen und Reis. Aber es geht auch anders. Jeder der sich her bequemt wird zum Dinner in dieses wunderbare Restaurant geführt:


Dort gibt es nicht nur vorzügliche Steaks, sondern auch Ziege, Fisch oder….Hühnchen, direkt vom Grill. Serviert mit Grillgemüse, Süßkartoffeln und karamellisierter Ananas…alles andere als Fraß. Auch Pommes sind hier sehr zu empfehlen, da sie immer aus frischen Kartoffeln gemacht werden. Zu Hause hat sich noch keine Routine eingestellt, kochen kann man alles was der Markt so hergibt, jede Art von Gemüse, Fleisch usw. mit Reis oder Pasta.
Bleibt die Frage nach dem Dessert. Also gestern sind wir in einen Laden namens Efendi´s gefahren und dort gab es zum Dessert dies:




Hier auch zu sehen zwei meiner Mitbewohner, Sabine (Französin), dann Ana (die nicht bei uns wohnt) und Eric (Ami), die Füße gehören Piere-Matheo (Italiener), der gestern ausgezogen ist und dessen Zimmer ich übernommen habe.

Bleibt die Frage nach dem Getränk und damit komme ich zu einem gewissen Zynismus in der Werbung der lokalen Brauerei:

…natürlich gibt´s auch Coca Cola!

Montag, 18. August 2008

Das graue Tor an den zwei grossen Palmen


Kampala ist eine merkwürdige Mischung aus dem „echten“ Afrika und einer aufstrebenden modernen Metropole. Vieles ist sehr 21stes Jahrhundert und „Errungenschaften“ wie Handys, Computer und diverse Luxusartikel kann man durchaus erwerben, auf der anderen Seite finden sich entlang der viel zu schmalen Straßen provisorisch zusammengezimmerte Stände in denen man dies alles und noch viel mehr kaufen kann. Sägemehl von Tischlerwerkstätten entlang der Straße, in denen man jede Art von Möbeln fertigen lassen kann, mischt sich mit den dicken schwarzen Abgasen des dichten Verkehrs, bei Taxis hat man die Wahl zwischen modernen Autos, Minibussen (Matatus), Motorrädern (Bodas) oder sogar Fahrrädern mit extra angebautem komfortablem Rücksitz. Die Menschen sind gelassen, ruhig und freundlich, trotz des katastrophalen Verkehrs während der Rushhour wird kaum gehupt, wagemutige und egoistische Fahrweisen schließt das aber nicht aus. 90% gehen zu Fuß, auch ich bin zunächst vom Taxi zum Boda abgestiegen und hab dann heute auch mal per pedes die Stadt erkundet. Ist man abends zu Hause, empfiehlt sich eine Fußdusche bevor man in die Laken steigt und alles mit roter Erde verschmiert.

Ugandas Hauptstadt ist inzwischen 3mal größer als die Stadtplaner es sich bei Anlegen der Infrastruktur erträumen ließen, dementsprechend eng und voll sind die Straßen. Umso schöner ist die Ruhe wenn ich nach Hause komme. Mein Haus liegt auf der Grenze zwischen den Villenvierteln und den Naguru Flats, nur eine Moschee bildet den Übergang (1A Wecker!). Eine Viertelstunde durch die Flats zu Fuß kommt man zur Lugugo Shopping Mall, wo ein Supermarkt, eine Elektromarkt, ein Restaurant, ein Handyladen und ein Internetcafé zu finden sind. Eine infrastrukturelle Oase und eine von zwei solcher Malls in der Millionenstadt.

Am Haus gibt es einen 24Std. Nachtwächter, eine gute Seele für den Haushalt (mit Namen Doris;-) und einen ziemlich unterbelichteten Hund, der den Befehl "Sitz" in englisch, franzoesisch, italienisch, luganda, swaheli und deutsch kennt - aber ihn trotzdem nicht versteht….

Wir haben einen Garten mit Blick auf den benachbarten Kololo Hill, ab und zu Ibisse, Glühwürmchen oder auch mal einen Marabu im Garten, die Moskitos halten sich zum Glück sehr zurück. Bisher habe ich nur eine Kakerlake gesehen, mein Zimmer teile ich mit einem kleinen gelben Gecko. Um all diesen Worten mehr Ge s/w icht zu verleihen hier die erwünschten ersten Bilder:

Haus von vorne:



Haus von hinten, Terasse und Eingang zur Kueche:

Pasha der "Wachhund":

Mein (vorlaeufiges) Zimmer, morgen ziehe ich in ein groesseres:


Ausblick von der Terasse:

Die Aufloesung der Bilder ist natuerlich mies, musste sie verkleinern, damit ich nicht sooo lange im Internetcafe bleiben muss. Versuche aber naechstes Mal eine bisschen bessere Aufloesung...

P.S. Ich will e mails! Es ist echt deprimierend, wenn man sich durch Hitze und Staub schleppt und dann hat man eine oder zwei schaebige mails im Briefkasten! Danke ;-)

Freitag, 15. August 2008

Internet Steinzeit

Hier ein erstes Lebenszeiche fuer alle die noch keine mail von mir haben! Ich bin gut angekommen, alles ist sehr sehr afrikanisch, es riecht anders, die Erde ist rot, die Sonne groesser und heller, der Nebel und Smog dichter. Mein Haus ist klasse aber Bilder sagen mehr als tausend Worte! In den naechsten Tagen werde ich versuche ein paar Bilder einzustellen, meine Arbeit faengt erst am Mittwoch an. Also: Keine Krise in Sicht, ich hoffe das bleibt so. Die Internet Moeglichkeiten wurde allerdings von mir ueberschaetzt, ISDN ist das Hoechste der Gefuehle und das auch nur im Internet Cafe. Also, demnaechst mehr! Liebe Gruesse!

Mittwoch, 6. August 2008

Naguru Hill


.....lautet meine neue Adresse. Detaillierter gibt´s die nicht. In genau einer Woche ist Abflug, meine neuen Mitbewohner scheinen sehr nett zu sein. Sie kümmern sich schon jetzt rührend um mich und haben mir einen persönlichen Taxifahrer organisiert, der mich in Entebbe am Flughafen abholt. Noch 3 Tage Kiel; das Gefühl ist kaum zu beschreiben. Irgendwas zwischen traurig (die Abschiede) und sehr glücklich (die Vorfreude). Gepackt habe ich noch nichts, die Dinge die noch zu erledigen sind, sind eng in die nächsten zwei Tage gepresst, irgendwas werde ich wohl sowieso vergessen. Samstag stopfe ich dann meine noch hier verbliebenen Habseligkeiten und mein von Impfungen und Zahnarztsitzungen geschundenes Selbst in ein kleines Mietauto und auf gehts nach Essen. Abschied 2. Etappe....
Ich platze vor Neugierde, wie es wird, wenn ich endlich da bin! Wer nicht?